Lappland-News
Start Wer Was Warum Wo Dank Svenska

 

 

Elchjagd

Kristina Gustafsson steuert ihren Kombi mit Hund Rock über die holprigen Waldwege am Ryggberg nahe Älvsbyn, etwa 60 Kilometer von der nordschwedischen Küstenstadt Piteå entfernt. Es ist halb sieben, der zweite Jagdtag der Saison hat mit einem schönen Sonnenaufgang begonnen. In den Kiefernbeständen und auf den Kahlschlägen des über fünftausend Hektar großen Jagdrevieres wandert der König der Wälder – der Elch. Sechs erwachsene Tiere und sechs Kälber hat die Provinzialregierung der zehnköpfigen Jagdgesellschaft Stockfors für diese Saison zugeteilt.

 

 “Die letzten Jahre ist der Bestand bei uns wieder gewachsen,” erklärt Kristina Gustafsson. ”Es wird ja gerade über den verminderten Elchbestand in Schweden diskutiert. Ich glaube, weil wir uns in unserer Kommune etwas zurückgehalten haben, gibt es ausreichend Elche zu erlegen.”

 

Ein Elch fiel bereits am ersten Jagdtag, heute will Kristina zum Schuss kommen. Und Rock, ihr zweijähriger Elchhund, endlich in die Spur. Seine Aufgabe ist es, den Elch zu suchen, zu stellen und zu verbellen, wie es im Jagdjargon heißt. Rock hält den Elch also so lange bellend an Ort und Stelle, bis Frauchen in Schussnähe ist. Und dann lädt Kristina Gustafsson ihr Gewehr.

 

Der Wald auf dem Ryggberg ist stellenweise schön licht mit hochgewachsenen Kiefern, dann wieder dicht mit nachwachsenden Birken. Mal lichtet er sich total und gibt den Blick frei, auf die Nebelschwaden, die der Pite- Fluss im Tal an diesem Herbstmorgen erzeugt. Nach nur einer Viertelstunde schlägt Rock zum ersten Mal an – und kommt nach kurzer Zeit japsend zurück. Der Elch ist ihm entwischt. Kristina ruft über Funk die anderen Jäger.

 

“Tobbe kommen, Hasse kommen... Was?” Hasse hat bereits einen erlegt, erfährt Kristina. Nach nur zehn Minuten. Er hat aber auch noch zwei weitere Elchbullen gesehen. Also weiter. Rock läuft wieder suchend über einen Kahlschlag. Die Jagd erzeugt Spannung und Entspannung zugleich. Das, so flüstert Kristina, lässt sie immer wieder stundenlang durch die Wälder ziehen.

 

“Manchmal ist es nervig. Dann denkt man, jetzt passiert nichts mehr. Aber man weiß, dass sich das schnell ändern kann.”

 

Gerade ist es aber ganz ruhig, kein Elch weit und breit und Rock verschwunden. Der Hund ist da, wo was passiert: Wo Hasse und Tobbe gerade den Elch erlegt haben. Tobbe, also Torbjörn Lundström, der Chef der Jagdgang, versucht den erlegten Elchbullen aus dem Wald zu kriegen. Das 300 Kilo schwere tote Tier liegt auf einem Anhänger. Es dampft noch, die Augen starren nichtssagend aus dem großen Schädel. Tobbe hat die Zugmaschine, eine Art kleinere Raupe, auf einem Baumstumpf aufgesetzt. Ein Ruckeln, ein Ziehen, ein Gefluche und dann zieht die Maschine schließlich weiter. Der tote Elch wackelt bedrohlich auf dem Anhänger.

 

“Glückwunsch Hasse, hab’ ich doch glatt vergessen...” Kristina gratuliert Hasse Eriksson, dem Schützen, zum frisch geschossenen Bullen. Ein sogenannter ungerader Neunender. Wie er den schoss? Ganz einfach.

 

“Der Elch kam angelaufen. Ich habe ihn auf eine Lichtung gebracht, damit er aus dem Wald rauskommt und erschoss ihn dort. Der Elch drehte ab und ich hörte, wie er fiel.” Ein klassischer Fall von Jägerlatein. Derlei Späßchen gehören zur Elchjagd wie das Gewehr und die Hunde.

 

 “Es ist nett, mit Männern zusammen zu jagen”, erklärt Kristina.” Es ist auch witzig, nur mit Frauen zu jagen, um Selbstbestätigung zu bekommen. In gemischten Jagdgesellschaften werden die Männer etwas ruhiger, wenn Frauen dabei sind. Dann sind sie nicht so grob.”

 

Das Gegenteil ist gleichwohl gerade bewiesen, als die gemischte Gesellschaft zurück zur Jagdhütte kommt und am Schlachtplatz dem Elch das Fell abzieht. Als die Messer zu jener Stelle vordringen, mit der die Elche ihren Bestand sichern und Schütze Hasse seine Kollegin fragt:

 

 “Kicki, kannst du dich um die Elch-Eier kümmern?” Ist es ein müdes Lächeln, das Kristina um die Mundwinkel huscht? Es ist nicht wichtig, alle sind mit stiller Vorfreude auf ein saftiges Elchsteak am Werke, die Messer werden gewetzt, die Stichsäge brummt. Am nächsten Tag um sechs in der Frühe werden sie wieder losziehen. Vier Elche und sechs Kälber sind noch da draußen.

 

© Lappland-News