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Reportage Elchjagd Yngve Ryd

Wintertest

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Wintertest

Sie zuckelt langsam über die Testschienen, frisst sich durch den Schnee, saugt ihn ein und pustet ihn an der Seite raus, neben die Schienen. Vorne hat die Maschine gelbe Borsten wie von einem großen Besen, hinten solche Gummilappen, wie man sie aus der Autowaschanlage kennt. Dann kann die Maschine ihre Seiten-Schneepflüge ausfahren und neben den Schienen räumen. Jan Söderberg vom Stockholmer Nahverkehrsbetrieb SL ist wirklich begeistert von dem Teil.

 

“Wir nennen die Maschine den Schneesauger. Bei SL haben wir zwei solcher Maschinen für die Schienen der Roslagsbanan und für die U-Bahn. Der Schneesauger arbeitet sehr effektiv, wenn der Schnee nicht zu nass ist. Dann kann er steckenbleiben.”

 

Nasser, schwerer Schnee ist ein großes Problem im dichten Metropolenverkehr. Und um dem beizukommen, ist eine Delegation aus Stockholm nach Arvidsjaur gekommen. Die Bahnarbeiter vom Nahverkehrsbetrieb SL und dem für den Unterhalt der Bahnschienen zuständigen Banverket testen im Bahnhof Arvidsjaur alle jene Maschinen, die die Schienen frei von Schnee und Eis halten sollen. Neben dem Schneesauger gibt es die einfache Schneeschleuder, wie sie viele Hausbesitzer in Nordschweden anwenden. Und eine Hochdruck-Enteisungsmaschine, die Norbert Tuoma mit seinen Kollegen gerade ausprobiert.

 

 “Dem Wasser ist Glykol beigemischt. Unter 80 Bar Hochdruck wird Schnee und Eis entfernt. Durch das Glykol bleibt die Schiene danach eisfrei.”

 

Die Maschinen an sich ja recht beeindruckend, doch was am wichtigsten und das zweite große Problem des Metropolenverkehrs ist: Die Schneeräumer müssen verdammt schnell sein.

 

“Wir haben 1.600 Weichen im Gebiet von Stockholm, davon sind 500 strategisch sehr wichtig,” erklärt Kenneth Stjerndorff von Banverket. “Dann haben wir natürlich viel mehr Verkehr: in der Hauptverkehrszeit gehen die Züge alle zwei-drei Minuten. Da ist es schwer, die Weichen zu räumen.”

 

Die meisten Weichen werden zwar mit Strom erwärmt. Doch kommt es trotzdem immer wieder zum Verkehrschaos. Erst vor einem Jahr, als die Züge 18 Stunden Verspätung hatten, weil jemand versäumte, die Weichenheizung anzustellen. Es gibt viel zu bedenken und zu tun, damit der Verkehr im Winter rollt. Das räumt auch der Schneebeauftragte von SL, Erland Köhl, ein. Er schildert in kompromittierender Offenheit die zu ergreifenden Maßnahmen im Falle von Schneefall:

 

“Was wir nicht im Griff haben, ist die Räumung bei tagelangem Schneefall. Da müssen wir zeitig die nötigen Ressourcen vorhalten. Also, so bald Schneefall gemeldet wird, müssen wir bereitstehen, damit wir nicht ins Hintertreffen geraten, sondern die ganze Zeit dabei sind. So bald es kurz aufhört zu schneien, müssen wir vorbereitet sein auf den nächsten Schnee.”

 

Unter all den Männern aus Stockholm ist ein Einheimischer, Kurt Nilsson. Der Bahnarbeiter aus Arvidsjaur ist an Schnee und Eis gewöhnt, die Kollegen aus dem Süden kann er nur leicht milde belächeln. In Nordschweden ist der Winter jedes Jahr weiß und kalt und lang und die Züge fahren trotzdem.

 

“Wir sind halt an den Schnee gewöhnt. Wenn hier 50 Zentimeter innerhalb kurzer Zeit kommen, taucht das nicht in den Nachrichten auf, aber dasselbe in Stockholm und das Chaos ist da.” erzählt er, nicht ohne Stolz.

 

Auf zweifaches Nachfragen jedoch, was denn in Nordschweden konkret anders gemacht wird, gibt er keine deutliche Antwort. Vielleicht liegt es daran, dass in Nordschweden beiweiten nicht soviel Verkehr ist wie in Stockholm? Und in Arvidsjaur der Zugverkehr im Winter nur auf vereinzelte Güterzüge begrenzt ist? Die Inlandsbanan passiert nämlich nur im Sommer Arvidsjaur. Das Personal am Bahnhof hat somit im Winter nicht wirklich viel zu tun. Da kommt die Testwoche der Stockholmer in Arvidsjaur gerade recht. “Das ist doch gut, die können üben und bei uns gibt es Arbeit dadurch,” grinst Kurt Nilsson.

 

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